„Die meisten Insolvenzen entstehen nicht, weil Unternehmen keine Aufträge haben, sondern weil Liquiditätsengpässe zu spät erkannt werden.“
Volker Lindenau, unabhängiger Berater
Momentaufnahme • 2026
Viele mittelständische Unternehmen sind wirtschaftlich solide aufgestellt und die Zahlen wirken stabil. Und doch geraten Betriebe immer wieder unerwartet unter Druck. Nicht selten liegt die Ursache weniger im Markt als in der eigenen Finanzsteuerung. Risiken entstehen dort, wo fehlende Transparenz über Liquidität, Kostenstrukturen oder Währungsrisiken dazu führt, dass Entwicklungen erst mit Verzögerung sichtbar werden. „Unternehmen reagieren oft erst dann, wenn es bereits eng wird“, sagt Volker Lindenau. Genau hier setzt seine Arbeit an. Als unabhängiger Berater betrachtet er Liquidität, Währungsfragen, Finanzierung und Prozesse nicht isoliert, sondern im Zusammenhang.
Ein häufig unterschätzter Ansatzpunkt in Unternehmen liegt im Liquiditätsmanagement. In der unternehmerischen Praxis stehen Umsatzentwicklung und Ertragszahlen naturgemäß im Fokus, während die Zahlungsfähigkeit nicht immer gleichermaßen systematisch betrachtet wird. Dabei zeigt sich gerade hier, wie belastbar ein Unternehmen tatsächlich aufgestellt ist. „Die meisten Insolvenzen entstehen nicht, weil Unternehmen keine Aufträge haben, sondern weil Liquiditätsengpässe zu spät erkannt werden“, sagt Volker Lindenau. „Studien zufolge sind rund 82 Prozent der Insolvenzen auf ein fehlerhaftes Liquiditätsmanagement zurückzuführen. Wird fehlende Transparenz erst spät sichtbar, bleibt oft nur wenig Zeit, um noch aktiv gegensteuern zu können.“
Ein zweiter Bereich, in dem Unternehmen mitunter Potenzial verschenken, ist das Währungsmanagement. Dabei geht es weniger um die Wechselkursentwicklung selbst als um die Frage, wie Währungsgeschäfte strukturiert und abgewickelt werden. „Viele Unternehmen wissen gar nicht, welche Margen bei Währungsgeschäften tatsächlich anfallen“, so der ehemalige Banker. Gerade die Zusammenarbeit mit der Hausbank sei für Unternehmen bequem, aber nicht immer die wirtschaftlich beste Lösung. Zudem habe sich die Beratungslandschaft spürbar verändert. Fachliche Expertise sei in vielen Banken nicht mehr in dem Umfang vor Ort verfügbar. „Umso wichtiger wird es, Währungsentscheidungen bewusst zu prüfen, statt sie als gegeben hinzunehmen“, weiß der Experte.
Diese bewusste Auseinandersetzung mit finanziellen Entscheidungen wird auch bei Finanzierungen immer wichtiger. Der Aufwand für Kredite und Fördermittel ist hoch, die Prozesse sind komplex und stark formalisiert. „Bürokratie ist heute einer der größten Bremsfaktoren bei Finanzierungen“, sagt Lindenau. Gleichzeitig hat sich der Bankenmarkt deutlich verändert. Zusammenschlüsse und Konzentration führen dazu, dass Unternehmen heute oft weniger Auswahl und geringeren Gestaltungsspielraum haben als früher. Alternative Finanzierungsformen wie etwa Investorenmodelle oder Crowdfunding werden vergleichsweise selten genutzt, obwohl sie in bestimmten Situationen eine sinnvolle Ergänzung sein können. Voraussetzung dafür ist jedoch eine saubere Vorbereitung und ein klares Konzept.
„Mir geht es nicht um die einfachste Lösung, sondern um die beste für das jeweilige Unternehmen“, so der 64-Jährige. Dieser neutrale Blick von außen hilft Betrieben, Strukturen zu hinterfragen, Kosten transparent zu machen und finanzielle Entscheidungen fundierter zu treffen.