Freie Bahn für die Nordtangente
Auf ihrer Sitzung im Mai dieses Jahres beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens zum Bau der Entlastungsstraße Nordost, besser bekannt als „Nordtangente“.
Die Abstimmung fiel ebenso knapp wie hitzig aus. Mit 16 zu 13 Stimmen votierten die Stadtverordneten in namentlicher Abstimmung für eine Verbindung zwischen der B 75 und dem Gewerbegebiet Nord. Bei geschätzten Kosten von etwa sechs Millionen Euro hofft die Stadt auf eine Vier-Millionen-Förderung nach dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz.
Mit dieser Entscheidung wurde ein für Ahrensburg zukunftsweisendes Verkehrsprojekt angeschoben. Zwei Drittel der von Bürgermeister Sarach besuchten Betriebe forderten im persönlichen Gespräch eine Anbindung zur Erschließung und Entlastung der Gewerbegebiete an die B 75. Bereits vor fünf Jahren stand die Ampel für den Bau der Nordtangente auf grün. Nach der damaligen Planung sollten die Bauarbeiten im Frühjahr 2007 beginnen. Doch daraus wurde nichts. Die Selbstverwaltung entschied, die Maßnahme im Rahmen der gesamten Stadtplanung bei der Aufstellung eines neuen Flächennutzungsplanes und den dazu stattfindenden Zukunftswerkstätten mit stärkerer Bürgerbeteiligung behandeln zu lassen. Das Planfeststellungsverfahren wurde abgebrochen und die in Aussicht gestellten Fördermittel entfielen.
Dazu soll es diesmal nicht wieder kommen. Doch noch sind einige Hindernisse zu umfahren. Abgesehen von gegensätzlichen Auffassungen Ahrensburger Bürgerinitiativen und Institutionen muss auch die Gemeinde Delingsdorf dem Bau der Trasse zustimmen. Denn auf deren Gebiet würde die Nordtangente auf die B 75 stoßen. „Für uns kommt, wenn überhaupt, nur die Südlichste in Frage.“ wurde der Delingsdorfer Bürgermeister Randolf Knudsen bereits vor fünf Jahren in der Lokalpresse zitiert.
Rückenwind für die Nordtangente kommt von der IHK zu Lübeck. „Gute Verkehrsanbindungen sichern Wachstum und Beschäftigung“ heißt es in einem Positionspapier, in dem die IHK keine Zweifel an der Notwendigkeit der Nordtangente aufkommen lässt. Ähnliches geschieht gerade in Bargteheide, wo mit dem Bau einer westlichen Stadtumgehung bereits begonnen wurde. Die Zeit drängt, denn nur bis zum Jahr 2013 können Fördermittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanierungsgesetz (GVFG) beantragt werden.
Das Gewerbegebiet Nord ist das größte in Schleswig-Holstein. Dort und im Gebiet Beimoor-Süd haben rund 14 000 Menschen ihren Arbeitsplatz. Damit dies so bleibt, ist vor allem eine hervorragende Infrastruktur nötig. Um im Wettbewerb um die Neuansiedlung und den Verbleib von Gewerbebetrieben mit den Nachbargemeinden, die näher an der Autobahn A 1 liegen, bestehen zu können , muss Ahrensburg für bestmögliche Infrastruktur sorgen. 2009 wurden 12.711 Menschen, die nicht in Ahrensburg wohnen, aber dort arbeiten gezählt, Tendenz steigend. Dem standen ca. 7.200 Auspendler gegenüber, auch hier in zunehmendem Maße.
Durch massive Einbrüche bei der Gewerbesteuer konnte 2009 erstmals in der Stadtgeschichte Ahrensburgs kein ausgeglichener Haushalt verabschiedet werden. Ein nicht zu leugnender Beweis, dass die in Ahrensburg ansässigen Unternehmen die Lebensader der Stadt sind. Doch nicht nur die Wirtschaft vor Ort würde von der Nordtangente profitieren. Spätestens mit der Erschließung des ähnlich kontrovers diskutierten „Erlenhofes“ wird es zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen auf der B 75 kommen.